Sie sprechen Russisch oder Ukrainisch und möchten sicherer Deutsch sprechen? Dann können Ihre bisherigen Sprachkenntnisse beim Lernen helfen. Sie kennen beispielsweise bereits grammatische Geschlechter und Fälle. Gleichzeitig begegnen Ihnen im Deutschen Regeln, die anders funktionieren als in Ihrer vertrauten Sprache.
Dabei sind Russisch und Ukrainisch eigenständige Sprachen mit unterschiedlichen Besonderheiten. Auch Ihre persönliche Sprachbiografie zählt: Welche Sprache sprechen Sie zu Hause, welche haben Sie in der Schule gelernt? Dieser Beitrag zeigt typische Unterschiede und gibt Ihnen praktische Anregungen für Ihren Deutschkurs.
Im Russischen und Ukrainischen gibt es keine Artikel wie „der“, „die“ und „das“. Im Deutschen gehören sie dagegen zu vielen Wortgruppen und liefern wichtige Informationen über Geschlecht, Zahl und Fall.
Auch wenn alle drei Sprachen grammatische Geschlechter kennen, stimmen diese nicht immer überein:
Deutsch |
Russisch |
Ukrainisch |
|---|---|---|
| das Buch – sächlich | книга – weiblich | книга – weiblich |
| die Sonne – weiblich | солнце – sächlich | сонце – sächlich |
| das Problem – sächlich | проблема – weiblich | проблема – weiblich |
Lerntipp: Notieren Sie neue Nomen immer zusammen mit Artikel und Plural: „das Buch – die Bücher“. Ergänzen Sie einen eigenen Satz, etwa: „Das Buch liegt auf meinem Schreibtisch.“
So lernen Sie nicht nur eine Übersetzung, sondern auch die deutsche Verwendung.
Das Prinzip der Fälle ist Ihnen wahrscheinlich vertraut: Wörter verändern ihre Form abhängig davon, welche Aufgabe sie im Satz übernehmen. Im Deutschen erkennen Sie den Fall häufig besonders deutlich am Artikel.
Vergleichen Sie:
„Der Kollege kommt heute später.“
„Ich begrüße den Kollegen.“
„Ich helfe dem Kollegen.“
Die Fälle lassen sich jedoch nicht bei jedem Verb direkt aus dem Russischen oder Ukrainischen übertragen. Ein gutes Beispiel ist „anrufen“:
Sprache |
Beispiel |
Fall der angesprochenen Person |
|---|---|---|
| Deutsch | Ich rufe meinen Bruder an. | Akkusativ |
| Russisch | Я звоню брату. | Dativ |
| Ukrainisch | Я телефоную братові. | Dativ |
Lerntipp: Lernen Sie Verben mit einer passenden Ergänzung: „jemanden anrufen“, „jemandem helfen“ oder „auf jemanden warten“. Das ist hilfreicher als eine isolierte Übersetzung.
Bei einfachen Aussagen in der Gegenwart steht im Russischen und Ukrainischen häufig kein ausgesprochenes verbindendes „sein“. Im Deutschen benötigen entsprechende vollständige Sätze dagegen eine Verbform:
Russisch: „Я дома.“
Ukrainisch: „Я вдома.“
Deutsch: „Ich bin zu Hause.“
Üben Sie besonders häufige Verbindungen:
Auch Altersangaben werden unterschiedlich aufgebaut. Im Deutschen sagen Sie beispielsweise: „Ich bin 30 Jahre alt.“ Lernen Sie solche Aussagen am besten als vollständige Satzmuster.
Im deutschen Hauptsatz steht das konjugierte Verb normalerweise an zweiter Satzgliedposition. Beginnt der Satz mit einer Zeitangabe, folgt das Subjekt häufig erst nach dem Verb:
„Ich lerne am Abend Deutsch.“
„Am Abend lerne ich Deutsch.“
„Am Abend“ besteht aus zwei Wörtern, bildet aber ein Satzglied. Die Regel bedeutet deshalb nicht, dass das Verb immer das zweite Wort sein muss.
Bei trennbaren Verben kommt eine weitere Besonderheit hinzu:
„Ich rufe morgen meine Kollegin an.“
Lerntipp: Markieren Sie das konjugierte Verb und gegebenenfalls den abgetrennten Verbteil in derselben Farbe. So wird die Satzstruktur sichtbar.
Manche Wörter sehen bekannt aus oder klingen ähnlich, haben aber eine andere Bedeutung. Solche „falschen Freunde“ können zu Missverständnissen führen.
Das deutsche Wort „Termin“ bezeichnet beispielsweise einen vereinbarten Zeitpunkt. Russisch „термин“ bedeutet dagegen „Fachbegriff“. Ukrainisch „термін“ kann unter anderem einen Fachbegriff oder eine Frist beziehungsweise Zeitspanne bezeichnen.
Für eine Arztpraxis lernen Sie deshalb am besten die ganze Verbindung:
„Ich möchte einen Termin vereinbaren.“
Lerntipp: Sammeln Sie Wörter, bei denen Sie eine überraschende Bedeutungsabweichung entdecken. Schreiben Sie jeweils einen kurzen deutschen Beispielsatz dazu.
Russisch und Ukrainisch klingen nicht gleich. Deshalb ist nicht jede Ausspracheübung für alle Lernenden gleichermaßen wichtig. Entscheidend ist, welche Unterschiede Sie selbst noch schwer hören oder sprechen können.
Für das Deutsche eignen sich beispielsweise diese Wortpaare:
Hören Sie zunächst genau hin und sprechen Sie anschließend nach. Nehmen Sie sich auf und bitten Sie Ihre Lehrkraft um Rückmeldung zu einem konkreten Laut. Arbeiten Sie lieber gezielt an einer Schwierigkeit, als gleichzeitig Ihre gesamte Aussprache verändern zu wollen.
Ihre Erstsprache muss beim Deutschlernen nicht ausgeblendet werden. Vergleiche können helfen, Regeln zu verstehen und wiederkehrende Schwierigkeiten zu erkennen. Wichtig ist, danach passende deutsche Formulierungen aktiv zu üben.
Notieren Sie nach dem Unterricht einen Satz, den Sie im Alltag gebrauchen können. Verwenden Sie ihn bei nächster Gelegenheit und verändern Sie einzelne Wörter. Aus „Ich vereinbare einen Termin“ wird beispielsweise „Ich verschiebe meinen Termin“.
Bringen Sie Ihre Fragen und Beispiele in Ihren Deutschkurs bei Lingunection mit. So können Sie gezielt an den Strukturen arbeiten, die für Ihren persönlichen Lernweg wichtig sind.
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