Jemand drückt Ihnen die Daumen, ein Kollege steht auf dem Schlauch und Ihre Freundin möchte endlich die Katze aus dem Sack lassen. Was zunächst merkwürdig klingt, gehört ganz selbstverständlich zur deutschen Alltagssprache.
Redewendungen haben eine übertragene Bedeutung. Wer sie Wort für Wort übersetzt, versteht deshalb oft etwas ganz anderes als das, was gemeint ist. Mit den passenden Erklärungen werden diese Ausdrücke jedoch schnell verständlicher – und Sie können sie nach und nach selbst verwenden.
Wir von Lingunection Freising stellen Ihnen zehn bekannte Redewendungen vor, die Ihnen im Gespräch, in Filmen oder beim Lesen begegnen können.
Stellen Sie sich vor, jemand erklärt Ihnen etwas sehr ausführlich. Sie hören aufmerksam zu, können dem Inhalt aber trotzdem nicht folgen. Dann passt der Satz: „Ich verstehe nur Bahnhof.“
Die Wendung bedeutet, dass man etwas überhaupt nicht versteht. Das kann an unbekannten Wörtern, einer komplizierten Erklärung oder einem völlig neuen Thema liegen.
Beispiel: „Der Techniker hat mir das Problem erklärt, aber ich habe nur Bahnhof verstanden.“
Einfach gesagt: „Ich habe überhaupt nicht verstanden, was er meinte.“
Im lockeren Gespräch ist der Ausdruck gut geeignet. Wenn Sie höflich um eine neue Erklärung bitten möchten, können Sie ergänzen: „Könnten Sie das bitte noch einmal einfacher erklären?“
Eine wichtige Prüfung steht bevor, ein Freund hat ein Vorstellungsgespräch oder Ihre Schwester wartet auf eine Zusage. Mit „Ich drücke dir die Daumen!“ wünschen Sie der Person Glück und zeigen, dass Sie an sie denken.
Dabei müssen Sie Ihre Daumen nicht tatsächlich festhalten. Die Worte allein reichen aus.
Beispiel: „Morgen hast du deine Deutschprüfung? Ich drücke dir die Daumen!“
Einfach gesagt: „Ich wünsche dir viel Glück und hoffe, dass du Erfolg hast.“
Eine typische Antwort lautet: „Danke, das kann ich gut gebrauchen!“
Sie suchen Ihren Schlüssel, obwohl er direkt vor Ihnen auf dem Tisch liegt? Dann könnte jemand scherzhaft fragen: „Hast du Tomaten auf den Augen?“
Die Redewendung bedeutet, dass jemand etwas Offensichtliches übersieht.
Beispiel: „Die Haltestelle ist doch direkt gegenüber! Ich hatte wohl Tomaten auf den Augen.“
Einfach gesagt: „Ich habe etwas nicht gesehen, obwohl es leicht zu erkennen war.“
Über sich selbst kann man das gut mit Humor sagen. Gegenüber anderen kommt es auf den Ton an: Die Frage kann scherzhaft, aber auch vorwurfsvoll wirken.
Sie übernehmen zum ersten Mal eine neue Aufgabe, ohne sich vollständig darauf vorbereitet zu fühlen. Vielleicht sollen Sie spontan etwas präsentieren oder ein Gespräch auf Deutsch führen.
Wenn Sie es trotzdem versuchen, springen Sie sprichwörtlich „ins kalte Wasser“.
Beispiel: „Bei meinem ersten Treffen mit den Nachbarn musste ich direkt ins kalte Wasser springen und Deutsch sprechen.“
Einfach gesagt: „Ich habe mich ohne viel Vorbereitung einer ungewohnten Herausforderung gestellt.“
Die Wendung beschreibt häufig Situationen, in denen man durch das Ausprobieren lernt.
Manchmal verstehen Sie eine Frage nicht sofort oder kommen nicht auf eine eigentlich einfache Lösung. Obwohl Sie das nötige Wissen haben, fehlt Ihnen gerade der entscheidende Gedanke.
Dann können Sie sagen: „Ich stehe gerade auf dem Schlauch.“
Beispiel: „Wie heißt das Wort noch einmal? Entschuldigung, ich stehe gerade auf dem Schlauch.“
Einfach gesagt: „Ich komme im Moment nicht darauf.“
Anders als bei „nur Bahnhof verstehen“ geht es hier oft um eine vorübergehende Denkblockade.
Jemand macht lange Andeutungen, erzählt aber noch nicht, worum es eigentlich geht. Die anderen werden neugierig und sagen schließlich: „Jetzt lass doch die Katze aus dem Sack!“
Die Wendung bedeutet, ein Geheimnis zu verraten oder eine bisher zurückgehaltene Information endlich bekannt zu geben.
Beispiel: „Wir haben lange geplant. Jetzt lassen wir die Katze aus dem Sack: Wir ziehen nach Freising!“
Einfach gesagt: „Jetzt verraten wir, was bisher noch geheim war.“
Der Ausdruck passt besonders gut zu Überraschungen, Neuigkeiten oder angekündigten Plänen.
Wenn Sie mit einer einzigen Handlung zwei Ziele erreichen, schlagen Sie „zwei Fliegen mit einer Klappe“.
Vielleicht gehen Sie mit einer deutschsprachigen Freundin spazieren. Dabei bewegen Sie sich und üben gleichzeitig Deutsch.
Beispiel: „Beim gemeinsamen Kochen lerne ich neue Wörter und bereite mein Abendessen zu. So schlage ich zwei Fliegen mit einer Klappe.“
Einfach gesagt: „Ich erledige zwei Dinge auf einmal beziehungsweise erreiche zwei Ziele gleichzeitig.“
Die Redewendung betont, dass sich etwas besonders praktisch verbinden lässt.
Sie erzählen eine Geschichte, werden kurz unterbrochen und wissen anschließend nicht mehr, was Sie sagen wollten. Dann haben Sie „den Faden verloren“.
Der Faden steht hier sinnbildlich für den Zusammenhang Ihrer Gedanken oder Ihrer Erzählung.
Beispiel: „Wo war ich gerade? Durch die Zwischenfrage habe ich den Faden verloren.“
Einfach gesagt: „Ich weiß nicht mehr, wie mein Gedanke weiterging.“
Die Wendung kann sich auch auf das Zuhören beziehen: „Bei der langen Erklärung habe ich irgendwann den Faden verloren.“
Eine unangenehme Aufgabe wartet schon seit Tagen, aber Sie finden immer wieder einen Grund, sie später zu erledigen. Dann schieben Sie die Sache „auf die lange Bank“.
Gemeint ist, dass etwas wiederholt hinausgezögert wird.
Beispiel: „Ich habe die Anmeldung zum Sprachkurs lange auf die lange Bank geschoben. Heute erledige ich sie endlich.“
Einfach gesagt: „Ich habe die Anmeldung immer wieder verschoben.“
Die Wendung wird häufig verwendet, wenn eine Entscheidung oder Aufgabe eigentlich schon früher hätte angegangen werden können.
Sie möchten jemanden ansprechen, trauen sich aber nicht. Schließlich überwinden Sie Ihre Unsicherheit und beginnen das Gespräch. Damit sind Sie „über Ihren eigenen Schatten gesprungen“.
Die Redewendung bedeutet, eine innere Hemmung zu überwinden oder etwas zu tun, das einem persönlich schwerfällt.
Beispiel: „Normalerweise spreche ich ungern vor Gruppen. Für die Präsentation bin ich über meinen eigenen Schatten gesprungen.“
Einfach gesagt: „Ich habe mich überwunden und es trotz meiner Hemmungen getan.“
Während „ins kalte Wasser springen“ eine ungewohnte Situation betont, steht hier die persönliche Überwindung im Mittelpunkt.
Wie lernen Sie Redewendungen am besten?
Lernen Sie eine Redewendung möglichst als vollständigen Ausdruck und verbinden Sie sie mit einer Situation aus Ihrem Leben. So merken Sie sich neben der Bedeutung auch, wann sie passt.
Achten Sie außerdem darauf, welche Wörter sich verändern. Aus „jemandem die Daumen drücken“ wird beispielsweise „Ich drücke dir die Daumen“ oder „Wir drücken Ihnen die Daumen“.
Viele dieser Wendungen passen besonders gut in persönliche Gespräche und lockere Texte. In einem formellen Schreiben kann eine direkte Formulierung verständlicher sein.
Kleine Übung: Welche Redewendung passt?
Ergänzen Sie die Sätze mit einem passenden Ausdruck aus dem Artikel.
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