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Wenn Wörter mehr bedeuten: Zehn deutsche Redewendungen für den Alltag

„Ich drücke dir die Daumen!“ Wer diesen Satz zum ersten Mal hört, denkt vielleicht an eine Handbewegung. Tatsächlich möchte Ihnen jemand damit Glück wünschen. Ähnlich ist es mit vielen anderen deutschen Redewendungen: Ihre Bedeutung ergibt sich nicht unmittelbar aus den einzelnen Wörtern. 

Solche Ausdrücke begegnen Ihnen beim Einkaufen, unter Freunden, am Arbeitsplatz oder in Serien. Sie zu kennen, erleichtert das Verstehen und macht den eigenen Wortschatz abwechslungsreicher. 

Bei Lingunection Hamburg nehmen wir deshalb zehn gebräuchliche Redewendungen unter die Lupe. Zu jedem Ausdruck finden Sie eine Erklärung und eine Situation, in der Sie ihn selbst verwenden können.

 

1. Nur Bahnhof verstehen

Eine Erklärung kann grammatisch korrekt sein und trotzdem völlig unverständlich wirken. Vielleicht ist das Thema neu, jemand verwendet viele Fachbegriffe oder spricht zu schnell. Wenn Sie kaum etwas nachvollziehen können, passt die Wendung „Ich verstehe nur Bahnhof“. 

Mit einer Zugfahrt hat die Aussage nichts zu tun. Sie bedeutet schlicht: „Ich verstehe überhaupt nicht, worum es geht.“ 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Hast du verstanden, wie das neue Computerprogramm funktioniert?“ 

„Leider nicht. Ich habe bei der Erklärung nur Bahnhof verstanden.“ 

Sie können den Ausdruck mit einer Bitte verbinden: „Könnten Sie mir das noch einmal Schritt für Schritt erklären?“

 

2. Jemandem die Daumen drücken

Vor einer Prüfung oder einem wichtigen Termin tut Unterstützung gut. Mit „Ich drücke dir die Daumen“ zeigen Sie, dass Sie jemandem Erfolg wünschen. 

Die Formulierung ist persönlich und freundlich. Sie passt zu kleinen Herausforderungen ebenso wie zu wichtigen Entscheidungen. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Morgen habe ich mein Vorstellungsgespräch.“ 

„Dann drücke ich dir die Daumen!“ 

Wenn Sie eine Person siezen, lautet der Satz: „Ich drücke Ihnen die Daumen.“ Für mehrere vertraute Personen sagen Sie: „Ich drücke euch die Daumen.“

 

3. Tomaten auf den Augen haben

Manchmal liegt etwas direkt vor uns, und trotzdem entdecken wir es nicht. In diesem Moment kann man scherzhaft sagen, man habe „Tomaten auf den Augen“. 

Gemeint ist, dass jemand etwas leicht Erkennbares übersieht. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Wo ist denn mein Handy?“ 

„Direkt neben deiner Tasse.“ 

„Ach, stimmt! Ich habe heute wohl Tomaten auf den Augen.“ 

Über sich selbst gesagt, wirkt die Wendung meist humorvoll. Wenn Sie sie an eine andere Person richten, sollten Sie auf einen freundlichen Ton achten, damit sie nicht wie ein Vorwurf klingt.

 

4. Ins kalte Wasser springen

Nicht jede neue Aufgabe lässt sich ausführlich vorbereiten. Manchmal müssen Sie einfach anfangen und unterwegs herausfinden, wie es funktioniert. Genau das beschreibt die Redewendung „ins kalte Wasser springen“. 

Sie bezeichnet den Einstieg in eine ungewohnte Herausforderung mit wenig Vorbereitung. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Konntest du dein erstes Kundengespräch vorher üben?“ 

„Nein, ich musste direkt ins kalte Wasser springen.“ 

Auch beim Sprachenlernen gibt es solche Momente – etwa wenn Sie unerwartet nach dem Weg gefragt werden und spontan auf Deutsch antworten.

 

5. Auf dem Schlauch stehen

Sie kennen die Antwort eigentlich, kommen aber gerade nicht darauf? Oder jemand macht einen Witz, den Sie erst einen Moment später verstehen? Dann stehen Sie vorübergehend „auf dem Schlauch“. 

Der Ausdruck beschreibt eine kurze Denkblockade. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Wie heißt noch einmal der Tag nach Mittwoch?“ 

„Donnerstag!“ 

„Natürlich. Ich stand gerade auf dem Schlauch.“ 

Die Wendung wird häufig mit „gerade“ oder „im Moment“ verwendet. Damit machen Sie deutlich, dass Ihnen etwas nur vorübergehend nicht einfällt.

 

6. Die Katze aus dem Sack lassen

Wenn eine Neuigkeit lange geheim bleibt, wächst die Neugier. Sobald jemand verrät, was dahintersteckt, lässt die Person „die Katze aus dem Sack“. 

Die Wendung bedeutet, etwas bisher Verschwiegenes bekannt zu geben. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Du hast gesagt, dass du eine Überraschung für uns hast. Jetzt lass endlich die Katze aus dem Sack!“ 

„Gut: Wir fahren am Wochenende gemeinsam ans Meer.“ 

Der Ausdruck passt besonders zu Überraschungen und länger angekündigten Neuigkeiten.

 

7. Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen

Manche Aktivitäten sind gleich in mehrfacher Hinsicht nützlich. Wenn Sie mit einer Handlung zwei Ziele erreichen, schlagen Sie „zwei Fliegen mit einer Klappe“. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Warum gehst du zu Fuß zum Sprachkurs?“ 

„So bewege ich mich und spare die Busfahrt. Ich schlage zwei Fliegen mit einer Klappe.“ 

Auch ein deutschsprachiges Treffen kann zwei Vorteile verbinden: Sie lernen Menschen kennen und üben gleichzeitig die Sprache.

 

8. Den Faden verlieren

Während einer Erzählung klingelt das Telefon. Nach der Unterbrechung wissen Sie nicht mehr, an welcher Stelle Sie waren. Dann haben Sie „den Faden verloren“. 

Die Wendung beschreibt, dass der gedankliche Zusammenhang abhandengekommen ist. Das kann beim Sprechen, Schreiben oder Zuhören passieren. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Entschuldigung, ich habe den Faden verloren. Was wollte ich gerade erzählen?“ 

„Du hast von deinem ersten Tag in Freising gesprochen.“ 

Wenn Sie beim Zuhören nicht mehr folgen können, lässt sich ebenfalls sagen: „An dieser Stelle habe ich den Faden verloren.“

 

9. Etwas auf die lange Bank schieben

Ein Formular ausfüllen, einen Termin vereinbaren oder eine Entscheidung treffen: Manche Aufgaben verschieben wir immer wieder. Dafür gibt es den Ausdruck „etwas auf die lange Bank schieben“. 

Gemeint ist, dass man eine Sache länger hinauszögert. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Hast du dich inzwischen für den Kurs angemeldet?“ 

„Noch nicht. Ich habe das zu lange auf die lange Bank geschoben.“ 

Der Ausdruck wird häufig verwendet, wenn jemand weiß, dass eine Aufgabe längst erledigt werden sollte.

 

10. Über den eigenen Schatten springen

Es braucht manchmal Mut, eine Gewohnheit zu ändern oder eine persönliche Hemmung zu überwinden. Wenn Sie etwas tun, obwohl es Ihnen schwerfällt, springen Sie „über Ihren eigenen Schatten“. 

Eine Situation aus dem Alltag: 

„Du hast bei der Veranstaltung mit so vielen Leuten gesprochen!“ 

„Ja, ich bin über meinen eigenen Schatten gesprungen und habe mich einfach vorgestellt.“ 

Hier steht die innere Überwindung im Mittelpunkt. Beim „Sprung ins kalte Wasser“ geht es dagegen vor allem um eine neue Situation, auf die man wenig vorbereitet ist. 

Vom Verstehen zum eigenen Sprachgebrauch 

Am besten bleiben Redewendungen im Gedächtnis, wenn Sie sie mit persönlichen Erlebnissen verbinden. Wann haben Sie zuletzt etwas aufgeschoben? Wem möchten Sie gerade die Daumen drücken? Bei welcher Gelegenheit mussten Sie spontan ins kalte Wasser springen? 

Schreiben Sie zu einigen Wendungen eigene Sätze. Achten Sie dabei auf die passende Form: „Ich habe den Faden verloren“, aber „Ich möchte die Katze aus dem Sack lassen“. 

Sie müssen nicht sofort alle Ausdrücke aktiv verwenden. Zunächst reicht es, sie im Gespräch wiederzuerkennen und ihre Bedeutung aus dem Zusammenhang zu verstehen. 

Testen Sie Ihr Wissen 

Welche Redewendung passt zur jeweiligen Situation? 

  • Sie hören eine komplizierte Erklärung und verstehen fast nichts. 
  • Ihr Bruder nimmt an einem wichtigen Wettbewerb teil. Sie wünschen ihm Glück. 
  • Sie suchen ein Buch, das gut sichtbar vor Ihnen liegt. 
  • Sie erledigen mit einem einzigen Weg zwei wichtige Besorgungen. 
  • Sie verraten Ihrer Familie endlich eine lange geheim gehaltene Neuigkeit. 

Die Auflösung 

  1. „Ich verstehe nur Bahnhof.“
  2. „Ich drücke dir die Daumen.“
  3. „Ich habe wohl Tomaten auf den Augen.“
  4. „Ich schlage zwei Fliegen mit einer Klappe.“
  5. „Ich lasse die Katze aus dem Sack.“

Mit Lingunection Hamburg mehr verstehen und sicherer sprechen 

Wer Redewendungen kennt, entdeckt eine weitere Seite der deutschen Sprache. Gespräche werden verständlicher, und Sie gewinnen neue Möglichkeiten, eigene Gedanken anschaulich auszudrücken. 

Bei Lingunection lernen Sie Wortschatz und Grammatik im Zusammenhang. In unseren Deutschkursen von A1 bis C2 üben Sie, die Sprache passend zu Ihrem Alltag und Ihren Zielen einzusetzen. 

Finden Sie Ihren passenden Deutschkurs in Hamburg und bringen Sie neue Ausdrücke ins Gespräch! 

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