Ein Behördenbrief klingt anders als eine Nachricht an Freunde. Das liegt nicht nur an den verwendeten Wörtern, sondern auch daran, wie Informationen aufgebaut werden. Ein wichtiger Unterschied ist die Wahl zwischen Nominalstil und Verbalstil.
Beide Ausdrucksweisen begegnen Ihnen beim Deutschlernen regelmäßig. Wer ihre Besonderheiten kennt, kann anspruchsvolle Texte leichter verstehen und eigene Formulierungen bewusster gestalten. Wir von Lingunection Hamburg erklären Ihnen die Unterschiede anhand von Beispielen und Übungen.
Beim Nominalstil werden Handlungen und Vorgänge häufig durch Substantive ausgedrückt. Aus dem Verb „untersuchen“ wird beispielsweise „die Untersuchung“, aus „entscheiden“ wird „die Entscheidung“.
Beispiel: „Die Untersuchung der Proben durch das Team ist abgeschlossen.“
Die Handlung steckt hier im Substantiv „Untersuchung“. Diese Ausdrucksweise kommt besonders häufig in wissenschaftlichen Texten, Berichten, Verwaltungsschreiben und juristischen Dokumenten vor.
Nominalstil kann zusammen mit Passivkonstruktionen auftreten. Beides ist jedoch voneinander zu unterscheiden: Nominalstil betrifft die Ausdrucksweise, Aktiv und Passiv betreffen die grammatische Darstellung eines Geschehens.
Nominale Formulierungen können Informationen kompakt bündeln. Fachliche Vorgänge lassen sich benennen und anschließend im Text wieder aufgreifen. Das kann helfen, komplexe Zusammenhänge übersichtlich darzustellen.
So fasst „die Erweiterung der Produktionsanlagen“ einen ganzen Vorgang in einer Wortgruppe zusammen. In einem Bericht kann diese Formulierung sinnvoll sein, wenn die Erweiterung als Thema im Mittelpunkt steht.
Viele Substantive machen einen Text allerdings nicht automatisch präziser. Entscheidend bleibt, ob die Aussage eindeutig und für die Zielgruppe verständlich ist.
Schwierigkeiten entstehen vor allem dann, wenn mehrere substantivische Ausdrücke aufeinanderfolgen. Leser müssen die einzelnen Beziehungen erst entschlüsseln. Manchmal bleibt außerdem unklar, wer handelt.
Beispiel: „Die Durchführung der Überprüfung der Einhaltung der Vorgaben erfolgt zeitnah.“
Direkter lässt sich derselbe Gedanke so ausdrücken:
„Wir überprüfen bald, ob die Vorgaben eingehalten werden.“
Die zweite Fassung nennt die handelnde Personengruppe und macht deutlicher, was geschehen soll.
Beim Verbalstil tragen Verben die wesentlichen Informationen. Handlungen werden unmittelbar beschrieben, statt sie überwiegend in Substantive umzuwandeln.
Nominalstil: „Die Untersuchung der Proben durch das Team ist abgeschlossen.“
Verbalstil: „Das Team hat die Proben untersucht.“
In der zweiten Fassung steht die Handlung „untersuchen“ im Mittelpunkt. Gleichzeitig wird sofort deutlich, wer sie ausgeführt hat.
Verbalstil eignet sich häufig für Erklärungen, Geschichten, persönliche Nachrichten und Texte, die möglichst direkt verständlich sein sollen.
Aussagekräftige Verben erleichtern es, Abläufe nachzuvollziehen. Sie können Texte lebendiger machen und zeigen häufig klarer, wer etwas tut.
Auch ein formeller Text lässt sich im Verbalstil sachlich und präzise schreiben. Diese Ausdrucksweise ist deshalb nicht grundsätzlich umgangssprachlich oder weniger professionell.
Beim Umformulieren können jedoch längere Satzgefüge entstehen. Wenn ein Satz zu viele Informationen enthält, hilft es, ihn aufzuteilen. Außerdem sollten Sie prüfen, ob alle inhaltlichen Beziehungen erhalten bleiben.
Überlegen Sie zunächst, wer Ihren Text lesen wird und welchen Zweck er erfüllen soll. In einem wissenschaftlichen Bericht können nominale Formulierungen sinnvoll sein, um Fachbegriffe einzuführen oder Ergebnisse zusammenzufassen. In einer Anleitung helfen dagegen oft direkte Verben.
Nominal formuliert: „Vor der Nutzung ist eine Überprüfung des Geräts erforderlich.“
Verbal formuliert: „Überprüfen Sie das Gerät, bevor Sie es benutzen.“
Ein guter Text darf beide Stile verbinden. Fachbegriffe können bestehen bleiben, während die übrigen Sätze klar und handlungsbezogen formuliert werden.
Achten Sie auf Wendungen wie „eine Prüfung vornehmen“, „zur Anwendung bringen“ oder „eine Entscheidung treffen“. Je nach Zusammenhang können die Verben „prüfen“, „anwenden“ und „entscheiden“ die Aussage verkürzen.
Fragen Sie sich außerdem: Wer handelt? Was passiert? Und welche Information soll besonders hervorgehoben werden?
Lesen Sie die überarbeitete Fassung anschließend noch einmal. Eine gelungene Änderung verbessert die Verständlichkeit und bewahrt zugleich die ursprüngliche Bedeutung.
Übung 1: Vom Verbalstil zum Nominalstil
Formulieren Sie die folgenden Sätze so um, dass die fett markierten Handlungen durch Substantive ausgedrückt werden. Mehrere Lösungen sind möglich.
Übung 2: Vom Nominalstil zum Verbalstil
Drücken Sie die fett markierten Vorgänge durch Verben aus. Achten Sie darauf, die Bedeutung beizubehalten.
Mögliche Lösungen zu Übung 1
An diesen Beispielen sehen Sie: Ein Satz muss nicht vollständig ohne Verben auskommen, um nominale Formulierungen zu enthalten. Häufig wird nur ein bestimmter Vorgang substantivisch ausgedrückt.
Mögliche Lösungen zu Übung 2
Der zweite Satz zeigt außerdem, dass Verbalstil auch im Passiv möglich ist. Im dritten Satz bleibt erhalten, dass es sich um einen Vorwurf handelt – eine wichtige Information, die beim Umformulieren nicht verloren gehen darf.
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